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Vom Pferdehof ins Mekka des Fahrsports

Dreifacher Nachwuchs-Weltmeister, mehrfacher Staatsmeister und jetzt erstmals WM-Starter im Vierspänner: Für Alexander Bösch geht ein Kindheitstraum in Erfüllung. Mit gerade einmal 32 Jahren steht der Vorarlberger vor dem größten Moment seiner bisherigen Karriere. Gemeinsam mit seinen Pferden Daddys Sunshine 2, Finesse 374, Franz Josef 19, Freestyle 3 und Levisto 3 erfüllt sich Bösch den Traum von einem Start auf der größten Bühne des internationalen Fahrsports. Bei den FEI World Championships im Rahmen der Multi-WM in Aachen (11. bis 23. August) wird er gemeinsam mit Wolfgang Binder (ST), Erwin Gillinger und Daniel Schneiders (beide OÖ) Österreich vertreten. Für Bösch ist die Premiere in der Königsklasse zugleich die Erfüllung eines lang gehegten Traums – und der Lohn für ein Leben mit und für seine Pferde.


Seit der ersten Stunde auf dem Pferdehof

Alexander Bösch musste den Pferdesport nie für sich entdecken – er wurde ihm praktisch in die Wiege gelegt. Auf dem familieneigenen Pferdehof in Rankweil ist er aufgewachsen, seit seiner ersten Lebensstunde bestimmen Pferde seinen Alltag. „Für mich war eigentlich immer klar, dass mein Leben mit Pferden zu tun haben wird. Während andere im Sommer baden gegangen sind, war ich im Stall, beim Reiten oder Fahren. Ich habe eigentlich nie etwas anderes gemacht.“
Schon als Vierjähriger nahm er mit seinen Ponys an einem Festumzug in Tirol vor mehreren tausend Zuschauer:innen teil – ein Erlebnis, das ihn bis heute begleitet. „Damals hat es eigentlich richtig angefangen. Vielleicht war das schon der erste Vorgeschmack auf das, was in Aachen kommt.“ Damals konnte niemand ahnen, dass aus dem kleinen Buben auf dem Kutschbock einmal ein WM-Starter werden würde.

Drei Disziplinen, ein gemeinsames Ziel

Gerade diese Vielseitigkeit macht für den 32-Jährigen den Reiz des Fahrsports aus. Dressur, Marathon und Kegelfahren verlangen völlig unterschiedliche Qualitäten – entschieden wird erst am letzten Wettkampftag. „Das fasziniert mich bis heute. Man arbeitet sich über mehrere Tage Schritt für Schritt nach vorne und weiß erst am Ende, wo man wirklich steht. Diese Spannung macht den Fahrsport für mich so speziell.“
Besonders liebt der Vorarlberger den Marathon – gleichzeitig die spektakulärste und anspruchsvollste Disziplin. „Mit einem Vierspänner durch die engen Hindernisse zu fahren, ist jedes Mal eine riesige Herausforderung.“

(c) Sonja Bauer
(c) Sonja Bauer

Vertrauen entsteht über Jahre

Anders als Reiter:innen in anderen Sparten sitzt ein Fahrer nicht direkt auf dem Pferd. Gerade deshalb spielt Vertrauen eine entscheidende Rolle. „Vertrauen entsteht nicht von heute auf morgen. Das wächst über viele Jahre. Vor allem mit den Vorderpferden arbeitest du extrem viel über die Stimme. Du musst fair, aber konsequent sein. Nur dann wissen die Pferde, dass sie dir vertrauen können.“

Für Bösch ist genau diese Partnerschaft das Fundament jeder erfolgreichen Fahrt. „Pferde geben dir etwas zurück, was Menschen manchmal nicht können. Wenn du korrekt mit ihnen arbeitest, schenken sie dir Vertrauen – und das ist unbezahlbar.“ Gerade im Vierspänner, wo vier Pferde als Einheit funktionieren müssen, ist dieses gegenseitige Vertrauen oft der entscheidende Unterschied zwischen Erfolg und Misserfolg.

Besonders anspruchsvoll sei es, vier Pferde zu finden, die sowohl charakterlich als auch in ihren Bewegungen perfekt harmonieren. Genau daran habe der 32-Jährige in den vergangenen Monaten intensiv gearbeitet.

Vom Traum zur Weltmeisterschaft

Noch vor einem Jahr war die Teilnahme an einer Weltmeisterschaft mit dem Vierspänner für Bösch kaum mehr als eine Idee. Erst Ende 2025 stellte er sein Gespann zusammen, zwei Pferde kamen sogar erst im Frühjahr neu ins Team. Umso beeindruckender verlief die Entwicklung. Bereits beim ersten internationalen Turnier in Exloo gelang Rang drei in der Dressur – der Grundstein für die erfolgreiche WM-Qualifikation. Plötzlich war aus einer Idee ein realistisches WM-Projekt geworden.

„Vor einem Jahr haben wir noch gesagt: Das wäre schon cool, irgendwann einmal Vierspänner zu fahren. Dass wir jetzt tatsächlich nach Aachen fahren dürfen, hätte ich damals nicht gedacht.“ Für Bösch und seine Pferde ist es die erste Saison im Vierspänner. Trotzdem blickt er optimistisch auf die Weltmeisterschaft. „Ich bin extrem glücklich, wie die Pferde mitmachen. Sie vertrauen mir und genau deshalb funktioniert das aktuell so gut.“

Aachen – das große Ziel

Schon 2017 war Bösch als Zuschauer in Aachen. Damals entstand jener Traum, den wohl jede Fahrer:in einmal im Leben hat. „Ich habe damals gesagt: Wenn ich hier irgendwann einmal selbst fahren darf, wäre das unglaublich. Dass das jetzt Wirklichkeit wird, kann ich eigentlich immer noch nicht glauben. Wahrscheinlich erst, wenn ich wirklich dort bin.“

Sportlich bleibt der Vorarlberger realistisch. Die Weltelite sei enorm stark, dennoch möchte er sich in der ersten Saison im Vierspänner bestmöglich präsentieren. „Unser Ziel ist die vordere Hälfte des Feldes. Besonders im Kegelfahren traue ich uns ein gutes Ergebnis zu. Wenn wir drei saubere Bewerbe zeigen, können wir mit der Weltmeisterschaft sehr zufrieden sein.“

(c) Hippoevent/ Lars Carstens
(c) Hippoevent/ Lars Carstens

Familienbetrieb als Erfolgsrezept

Die Basis für den sportlichen Erfolg liegt auf dem Pferdehof Bösch in Rankweil. Gemeinsam mit seinen Eltern und Brüdern führt Alexander einen Familienbetrieb mit rund 40 Pferden. Moderne Trainingsmöglichkeiten, eine große Reithalle und optimale Bedingungen ermöglichen professionelles Arbeiten an 365 Tagen im Jahr. „Früher hat man den Pferden im Winter mehrere Monate Pause gegeben. Heute funktioniert Spitzensport anders. Wir trainieren das ganze Jahr über – natürlich angepasst –, damit die Pferde körperlich und mental bereit sind.“

Mit der Teilnahme an den Weltmeisterschaften in Aachen erreicht der Vorarlberger nun einen weiteren Meilenstein seiner Karriere. Für den 32-Jährigen schließt sich damit ein Kreis – vom kleinen Buben auf dem Pferdehof in Rankweil bis auf die größte Bühne des internationalen Fahrsports. Wenn Alexander Bösch in Aachen erstmals in die Arena einfährt, wird aus einem Kindheitstraum endgültig Realität.

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