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Zwischen Heimatstall und Weltbühne: Das große WM-Gespräch mit Katharina Rhomberg

Wenn am 11. August in Aachen die Pferdesport-Weltmeisterschaften beginnen, schlägt Katharina Rhomberg ein weiteres Kapitel ihrer außergewöhnlichen Karriere auf. Die Dornbirnerin startet gemeinsam mit Colestus Cambridge für Österreich und bildet mit Max Kühner, Felix Koller, Bianca Babanitz und Ersatzreiter Dominik Juffinger das rot-weiß-rote WM-Team.

Der Weg dorthin war geprägt von kontinuierlicher Entwicklung, Geduld und Vertrauen. Nach ihrer Teilnahme an den Olympischen Spielen 2024 in Paris – als erste österreichische Springreiterin überhaupt – hat sich die 32-Jährige endgültig in der Weltspitze etabliert. Mehrere Spitzenplatzierungen auf Fünf-Sterne-Niveau (Platz 2 in St. Gallen, Rang 4 in Aachen), der erste Erfolg in einem Fünf-Sterne-Grand-Prix in Versilia (ITA) oder Mitte Juli der Sieg im Grand Prix von Šamorín unterstreichen ihre Entwicklung alleine in diesem Jahr eindrucksvoll.

Vorbereitet auf diese Herausforderungen wird Rhomberg tagtäglich in ihrer Heimat Dornbirn – mit ihrem Stall und dem Olympiazentrum Vorarlberg nur wenige Schritte voneinander entfernt. Dort arbeitet sie gemeinsam mit ihrem Team kontinuierlich an der nächsten Entwicklung. Wenige Tage vor der Weltmeisterschaft spricht die Vorarlbergerin über Vertrauen, ihren Sportpartner Colestus Cambridge, die besondere Atmosphäre von Aachen und darüber, warum Erfolg weit mehr ist als ein Ergebnis.


„Früher habe ich geglaubt, dass ich es kann. Heute weiß ich es...“

Katharina, du hast in dieser Saison mehrere Spitzenresultate auf Fünf-Sterne-Niveau erreicht. Was hat diese Entwicklung möglich gemacht?
Katharina Rhomberg: Ich glaube gar nicht, dass sich etwas Konkretes verändert hat. Es ist vielmehr das Ergebnis der konstanten Arbeit der vergangenen Monate und Jahre. Sowohl meine Pferde als auch ich haben uns Schritt für Schritt weiterentwickelt. Durch die Global Champions Tour im vergangenen Jahr durfte ich viele Fünf-Sterne-Turniere reiten und war bereits in mehreren Grand Prix platziert. Dadurch ist das Vertrauen gewachsen. Früher habe ich geglaubt, dass ich mit der Weltelite mithalten kann. Heute weiß ich aus tiefster Überzeugung, dass ich es kann, wenn an einem Tag alles zusammenpasst.

Gab es einen Moment, in dem dir das endgültig bewusst geworden ist?
Rhomberg: Ja, definitiv nach meinem ersten Sieg in einem Fünf-Sterne-Grand-Prix. Das war einerseits eine riesige Freude und andererseits auch eine große Erleichterung. So ein Meilenstein stärkt natürlich das Selbstvertrauen und gibt einem mehr Leichtigkeit im Parcours.

Was nimmst du aus dieser Saison mit nach Aachen?
Rhomberg: Vertrauen. Sicherheit. Und Leichtigkeit.

„Colestus ist ein echtes Championatspferd“

Mit Colestus Cambridge gehst du bereits zum zweiten Mal bei einem Großereignis an den Start. Was macht ihn so besonders?
Rhomberg: Colestus war für mich immer schon ein Ausnahmepferd. Als ich ihn als Sechsjährigen bekommen habe, wusste ich bereits, dass in ihm etwas ganz Besonderes steckt. Als Achtjähriger sprang er bereits fehlerfrei Nationenpreise, ein Jahr später folgten die ersten Fünf-Sterne-Turniere und Grand Prix. Da war mir endgültig klar, dass er das Potenzial für ganz oben hat. Was ihm bei Championaten besonders zugutekommt, ist sein enormes Blut. Während viele Pferde im Laufe eines Turniers müde werden, wird Colestus von Tag zu Tag motivierter. Er liebt es, im Parcours zu glänzen, und genau deshalb ist er für mich ein echtes Championatspferd.

Wie hat sich eure Partnerschaft seit den Olympischen Spielen entwickelt?
Rhomberg: Vor allem durch Erfahrung. Er hat unglaublich viele Parcours gesehen und aus jedem einzelnen etwas mitgenommen. Gleichzeitig ist unsere Kommunikation immer besser geworden. Wir kennen uns mittlerweile seit fünf Jahren und ich durfte ihn vom 1,20-Meter-Pferd bis auf Fünf-Sterne-Niveau selbst ausbilden. Das verbindet natürlich. Wir verstehen uns heute besser denn je und haben gemeinsam einfach unglaublich viel Spaß.

Du bezeichnest ihn oft als sehr intelligentes Pferd. Woran merkst du das?
Rhomberg: Man muss ihm etwas eigentlich nur einmal zeigen und dann hat er es verstanden. Er denkt im Parcours mit, kann Distanzen unglaublich gut einschätzen und möchte selbst keine Fehler machen. Das macht die Zusammenarbeit mit ihm ganz besonders.

„Aachen ist im Reitsport etwas Magisches“

Was bedeutet es für dich, bei einer Weltmeisterschaft in Aachen starten zu dürfen?
Rhomberg: Aachen ist im Reitsport einfach etwas ganz Besonderes. Dieses Turnier hat etwas Magisches und die Atmosphäre ist einzigartig. Jeder ambitionierte Reiter träumt davon, dort einmal starten zu dürfen. Dass jetzt ausgerechnet dort auch noch eine Weltmeisterschaft stattfindet, macht das Ganze noch spezieller. Für mich verbinden sich damit zwei absolute Höhepunkte.

Du warst heuer bereits in Aachen am Start. Hilft dir diese Erfahrung?
Rhomberg: Auf jeden Fall. Es war eine wichtige Generalprobe. Ich weiß jetzt, dass sich Colestus auf dem großen Rasenplatz wohlfühlt, und ich kann etwas lockerer an die Sache herangehen.

„Wir ziehen alle am gleichen Strang“

Mit Max Kühner (T), Felix Koller (OÖ), Bianca Babanitz (B) und Ersatzreiter Dominik Juffinger (T) bildet ihr das österreichische Team. Wie erlebst du die Mannschaft?
Rhomberg: Die Stimmung ist sehr harmonisch. Alle ziehen am gleichen Strang und verfolgen dasselbe Ziel. Das schweißt zusammen. Wir sind zwar ein vergleichsweise kleines Team, sehen uns dadurch aber auch häufiger und kennen uns gut. Das hilft, weil wir uns gegenseitig unterstützen können.

Wo liegen eure Stärken?
Rhomberg: Vielleicht gerade darin, dass wir nicht zu den ganz großen Favoriten zählen. Das nimmt etwas Druck heraus und ermöglicht es uns, freier zu reiten. Natürlich hilft auch der Austausch mit den erfahrenen Teamkollegen. Gleichzeitig glaube ich aber, dass man sich bei einem Championat nicht verrückt machen darf. Am Ende weiß jeder Reiter selbst am besten, was er und sein Pferd brauchen. Man muss darauf hören und darauf vertrauen.

„Olympia hat mich verändert“

Du warst die erste österreichische Springreiterin bei Olympischen Spielen. Welche Bedeutung hat dieser Meilenstein heute für dich?
Rhomberg: Dass ich die erste Frau war, hat für mich gar nicht die größte Bedeutung. Viel wichtiger ist für mich, dass ich mir selbst den Traum von Olympia erfüllen konnte.

Was hast du aus Paris mitgenommen?
Rhomberg: Vor allem zwei Dinge. Erstens habe ich gelernt, dass ich mit Druck sehr gut umgehen kann und unter Druck sogar noch fokussierter reite. Und zweitens habe ich verstanden, dass man bei Großereignissen zwar top vorbereitet sein muss, den Spaß aber nie verlieren darf. Man darf solche Momente genießen und sich selbst nicht verrückt machen.

Hat sich dadurch auch dein Zugang zum Sport verändert?
Rhomberg: Ja, definitiv. Ich vertraue mir selbst, meinem Weg und meinen Pferden heute deutlich mehr. Ich höre stärker auf mein Bauchgefühl und habe vielleicht auch einfach mehr Freude am Ganzen. Früher wollte ich manchmal jemandem etwas beweisen. Heute reite ich für mich selbst. Wenn ich nach einer Runde sagen kann, dass ich alles gegeben habe, bin ich zufrieden – unabhängig vom Ergebnis. Ich weiß mittlerweile, dass Ergebnisse mich nicht als Menschen definieren. Das musste ich erst lernen.

„Erfolg beginnt lange vor dem Ergebnis“

Wie gelingt es dir trotz der Erfolge, den Fokus zu behalten?
Rhomberg: Ich glaube, das Wichtigste ist, ehrlich mit sich selbst zu sein und an den eigenen Schwächen zu arbeiten.
Außerdem sollte man Ergebnisse nicht jagen. Wenn man sich ausschließlich auf das Resultat konzentriert, ist man nicht mehr ganz im Moment. Und genau dort muss man im Parcours sein, um sein volles Potenzial abrufen zu können.

Was wäre für dich eine erfolgreiche Weltmeisterschaft?
Rhomberg: Wenn ich nach jedem Parcours sagen kann, dass ich alles gegeben habe. Wenn ich es schaffe, vollkommen bei meinem Pferd und bei mir selbst zu bleiben und mich weder von Gedanken noch von der Außenwelt ablenken zu lassen.
Wenn mir das gelingt, dann weiß ich, dass ich alles gemacht habe, was in meiner Macht steht.

„Diese zwei Minuten gehören nur Colestus und mir“

Worauf freust du dich in Aachen am meisten?
Rhomberg: Auf die wenigen Minuten im Parcours. Dann gibt es nur Colestus, mich und den Parcours. Genau auf diese Momente freue ich mich.

Was fasziniert dich nach all den Jahren am Springsport noch immer?
Rhomberg: Dass man nie auslernt. Man kann sich ständig verbessern und muss immer wieder neue Lösungen finden. Dieser Entwicklungsprozess macht unglaublich viel Spaß. Und natürlich sind es die Pferde. Für mich ist es etwas ganz Besonderes, mit ihnen arbeiten zu dürfen. Je besser man sie versteht, desto schöner wird diese Partnerschaft.

Welche Botschaft möchtest du jungen Reiterinnen und Reitern mitgeben?
Rhomberg: Glaubt an euch und an eure Träume. Arbeitet hart dafür und lasst euch nicht entmutigen.
Seid neugierig, lernt von jedem Menschen und von jedem Pferd, aber vertraut auch euch selbst und bleibt eurem eigenen Weg treu. Und vielleicht das Wichtigste: Vergleicht euch nicht mit anderen. Jeder hat seinen eigenen Weg, sein eigenes Tempo und seine eigenen Voraussetzungen. Konzentriert euch auf eure eigene Entwicklung und verliert eure Ziele nie aus den Augen.

Zum Abschluss: Was wird dir durch den Kopf gehen, wenn du in Aachen zum ersten Mal in den WM-Parcours einreitest?
Rhomberg: Dann werden meine Gedanken nur noch bei Colestus und mir sein. Ich werde mich darauf freuen, zeigen zu dürfen, was wir gemeinsam können – und diese zwei besonderen Minuten in einer einzigartigen Atmosphäre einfach genießen.